Die Probleme mit dem künftigen Kampfflugzeugsystem (FCAS) „sind kein politischer Streit“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz am Mittwoch in einem Interview. Das eigentliche Problem sind vielmehr die unterschiedlichen Bedürfnisse Deutschlands und Frankreichs an den Kampfjet der nächsten Generation.
Deutschland brauche nicht die gleichen Kampfflugzeuge wie Frankreich, betonte Merz und wies darauf hin, dass Berlin auf ein gemeinsames Flaggschiff-Verteidigungsprojekt verzichten könnte. Merz sah „ein echtes Problem im Anforderungsprofil“ der nächsten Generation von Kampfflugzeugen.
„Die Franzosen brauchen in der nächsten Generation von Kampfflugzeugen ein Flugzeug, das Atomwaffen tragen und von einem Flugzeugträger aus operieren kann. Das ist nicht das, was wir derzeit beim deutschen Militär brauchen“, sagte Merz im deutschen Podcast „Machtwechsel“.
Das Programm Future Combat Aircraft System (FCAS) wurde 2017 ins Leben gerufen, um die bis 2040 in Deutschland und Spanien eingesetzten französischen Rafale-Flugzeuge und Eurofighter-Flugzeuge zu ersetzen.
Doch der von den drei Ländern gemeinsam entwickelte Plan geriet letztes Jahr ins Stocken, als die französische Dassault Aviation in hitzige Auseinandersetzungen mit Airbus geriet, der die deutschen und spanischen Interessen an dem Projekt vertritt.
Das Projekt wurde auch durch breitere deutsch-französische Meinungsverschiedenheiten beeinträchtigt, wobei Berlin Paris vorwarf, nicht genügend Anstrengungen zu unternehmen, um die Verteidigungsausgaben zu erhöhen.
Zuvor hatte Merz eine Entscheidung über den FCAS bis Ende letzten Jahres versprochen, die endgültige Entscheidung jedoch verschoben.
Frankreich besteht weiterhin darauf, dass das Projekt realisierbar ist.
Eine mögliche Lösung wäre die Trennung der Kampfflugzeugkomponente vom gesamten Luftkampfsystem, sodass Deutschland und Frankreich ihre eigenen Flugzeuge entwickeln könnten.
Eine solche Lösung wäre „eine praktikable Option und (…) eine gute Option“, sagte Michael Schöllhorn, CEO von Airbus Defence, kürzlich gegenüber Euractiv. Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie und die Gewerkschaft schlossen sich bald darauf der Forderung nach einem eigenständigen Flugzeug an.
Merz sagte im Podcast, dass Frankreich und Deutschland nun „uneins über die Spezifikationen und Profile“ des von ihnen benötigten Flugzeugtyps seien.
„Die Frage ist nun: Haben wir die Kraft und den Willen, für diese beiden unterschiedlichen Anforderungsprofile zwei Flugzeuge zu bauen, oder nur eines?“ fragte.
Sollte dieses Problem nicht gelöst werden, werde Deutschland „das Projekt nicht weiterführen können“, sagte er und fügte hinzu, dass es „andere Länder in Europa“ gebe, die bereit seien, mit Berlin zusammenzuarbeiten.
CEO von Airbus Defence: Zwei separate Kampfjets für FCAS sind eine „gute“ Option
Eine potenziell „gute“ Lösung für den Konflikt, der die Entwicklung Europas bremst …
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