Schlimmer noch: Es schwächt die Verhandlungsposition Europas genau in dem Moment, in dem Einigkeit am entscheidendsten ist.
Mit der Weigerung, das neue Überkapazitätsinstrument der EU-Kommission aktiv zu unterstützen, stellt sich die Bundesregierung als schwache Flanke Europas dar.
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Ein Bündnis aus fünf EU-Ländern – Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden und Litauen – drängt auf ein härteres Vorgehen, während Berlin den Fortschritt von unten blockiert und behindert.
Dahinter verbirgt sich eine eindeutige Priorisierung: Der Schutz großer chinesischer Unternehmen, die im DAX notiert sind und große Investitionen tätigen, diktiert die Leitlinien der deutschen Politik.
Wenn ein Gigant wie BASF Milliarden in seinen neuen Megakomplex in Zhanjiang investiert, hat er ein vitales Interesse daran, dass die EU keine Zölle erhebt, die Gegenmaßnahmen Pekings provozieren könnten.
Für große Unternehmen bedeutet Risikominderung, sich weiterhin in China zu engagieren; Für kleinere Unternehmen bedeutet es genau das Gegenteil.
Reiche fungiert hier als Beschützer der Unternehmensinteressen und begleitet deren Vertreter.
Den Preis für diesen scheinbaren Pragmatismus zahlt jedoch ein anderer Wirtschaftszweig: der deutsche Mittelstand.
Während große Konzerne häufig über die Ressourcen verfügen, Teile ihrer Produktion direkt nach China zu verlagern, um den chinesischen Markt „von innen“ zu bedienen, ist diese Option für mittelständische Maschinenbauer, Zulieferer oder Spezialchemieunternehmen kaum realisierbar.
Sie sind der direkten Konkurrenz hochsubventionierter chinesischer Importe auf ihrem europäischen Heimatmarkt schutzlos ausgeliefert.
Darüber hinaus zeigt eine aktuelle Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung, dass die Importabhängigkeit Deutschlands bei strategisch kritischen Gütern seit 2023 sogar zugenommen hat.
Das viel gepriesene „De-Risking“ erweist sich in der Praxis als rhetorischer Beruhigungsmittel ohne wirkliche Substanz.
Ein strategischer Fehler
Angesichts eines bilateralen Handelsvolumens von über 251 Milliarden Euro ist ein Rückzug aus China keine Option. Der Abbau stark asymmetrischer Abhängigkeiten ist jedoch strategisch notwendig. Dabei geht es nicht um wirtschaftlichen Alarmismus, sondern um strategische Kohärenz.
Wenn Deutschland das Recht beansprucht, Europa sicherheitspolitisch zu führen und zu schützen, kann es sich nicht gleichzeitig seiner Verantwortung im Kernbereich der Wirtschaft entziehen und nationale Politiken verfolgen, die die ohnehin schon mühsame Kompromissmaschine EU schwächen.
Ein starkes Europa braucht eine Wirtschaftspolitik, die nicht nur den Interessen einiger weniger Großkonzerne dient, sondern auch die industrielle Basis des gesamten Kontinents, einschließlich kleiner und mittlerer Unternehmen, berücksichtigt.
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Möglicherweise erfüllte Reiches Reise die Wünsche der ihn begleitenden Manager. Als Signal für eine zukunftsorientierte europäische China-Politik war es jedoch ein Rückschritt.
Wenn Berlin nicht bereit ist, unbequeme Strukturentscheidungen zu unterstützen und Chinas Handelspraktiken echte europäische Grenzen zu setzen, wird es Ansehen und das Vertrauen seiner Partner verlieren.
Man kann in Europa keine Führungsrolle fordern, wenn man im entscheidenden Moment nur Partikularinteressen bedient. China ist genau daran interessiert, weil es mit einem geteilten Europa besser zurechtkommt als mit einem geeinten.
Mildnütziger betrachtet lässt sich der gleichzeitige Besuch des Reiches und die Vorstellung der neuen Handelsinstrumente durch die Europäische Kommission auch wie folgt interpretieren:
China hat die Wahl: Wenn es das deutsche Angebot annimmt, seine Märkte öffnet und konstruktive Kompromisse sucht, wird die Erfolgsgeschichte der Globalisierung, an der beide Seiten reich geworden sind, weitergehen.
Wenn sie ihre aggressive Konfrontationsstrategie fortsetzt, weiß die EU zu reagieren und verfügt über die entsprechenden Instrumente. Dann wird wohl auch Deutschland die Seite wechseln, wenn es bis dahin nicht zu spät ist.
Diese Geschichte wurde ursprünglich auf TRT Deutsch veröffentlicht.