Keine EU-weite Beobachtungsliste: Berlin Pride-Anschlag zeigt Lücken in der Überwachung islamistischen Extremismus auf
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Keine EU-weite Beobachtungsliste: Berlin Pride-Anschlag zeigt Lücken in der Überwachung islamistischen Extremismus auf

Der Berlin-Pride-Anschlag hat die Frage neu aufgeworfen, ob Europa Menschen mit einer Vorgeschichte von Radikalisierung und terroristischen Verurteilungen, die eine Bedrohung darstellen könnten, insbesondere wenn Verdächtige Grenzen überschreiten, angemessen überwacht.

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WERBUNG Verdächtiger seit 2022 auf dem Radar der Polizei

Das Thema rückte in den Fokus, nachdem die deutschen Behörden den Verdächtigen des Berliner Anschlags als Abdul Ballout (21) identifizierten, einen deutschen Staatsbürger libanesischer Abstammung, der der Polizei wegen früherer Gewaltverbrechen und Verbindungen zu islamistischen Kreisen bekannt ist.

Die Behörden werten den Vorfall, bei dem eine Frau ums Leben kam und 29 weitere verletzt wurden, als islamistischen Terroranschlag. Der Verdächtige wurde später von der Polizei erschossen.

Ballout war den deutschen Behörden aufgrund seiner Vorstrafen, seiner islamistischen Radikalisierung und seiner wiederholten Versuche, sich dem Islamischen Staat in Syrien anzuschließen, seit mehreren Jahren bekannt.

Im Jahr 2022 wegen Körperverletzung und Raubüberfall verurteilt, versuchte er anschließend, über die Türkei und den Libanon nach Syrien zu reisen, wo er kurzzeitig inhaftiert war, bevor er nach Deutschland zurückgeschickt wurde.

Im Mai 2026 verurteilte ihn ein Berliner Jugendgericht wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, des versuchten Beitritts zum Islamischen Staat und der Verbreitung der Propaganda der Gruppe im Internet zu 22 Monaten Jugendstrafe.

Er wurde freigelassen, nachdem das Gericht festgestellt hatte, dass keine ausreichenden Gründe mehr für eine Untersuchungshaft vorlagen, während die Staatsanwaltschaft eine härtere Strafe beantragte.

Anfang des Monats durchsuchten die Behörden auch sein Haus nach mutmaßlichen Waffendelikten, die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt, nachdem die Beamten nur eine Spielzeugpistole gefunden hatten.

Vor dem Angriff war Ballout angewiesen worden, sich einem Deradikalisierungsprogramm zu unterziehen. Die Organisation, die ihn überwacht, kam jedoch zu dem Schluss, dass er versucht hatte, die Rezensenten zu der Annahme zu verleiten, er habe seine extremistischen Ansichten aufgegeben.

Hunderte mögliche islamistische Bedrohungen in Deutschland

Deutschland ist eines der wenigen europäischen Länder, das detaillierte Zahlen zum islamistischen Extremismus veröffentlicht, wobei die Behörden zwischen der breiteren extremistischen Szene und den Personen unterscheiden, die als besonders gefährdet gelten, Gewalt auszuüben.

Der Inlandsgeheimdienst des Landes, das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), schätzt, dass es rund 28.000 Menschen in der islamistischen Extremistenszene gibt.

Allerdings wird nur ein kleiner Teil als potenzielle Gewalttäter eingestuft.

Diese Personen fallen in die deutsche Sicherheitskategorie „Gefährder“, ein Begriff, der für Personen verwendet wird, von denen die Behörden glauben, dass sie aus politischen Gründen ein schweres Verbrechen begehen könnten.

Die Zahl der islamistischen Gefährder beläuft sich nach Angaben von Bossong vom Bundeskriminalamt (BKA) derzeit auf rund 446 Personen. Sie schwankt jedoch, wenn sich die Forschung weiterentwickelt und Personen zu Beobachtungslisten hinzugefügt oder daraus entfernt werden.

Auch zwischen den Bundesländern Deutschlands variieren die Zahlen. In Berlin haben die Behörden bisher rund 100 als Gefährder-Islamisten eingestufte Personen identifiziert, wobei landesweite Zahlen nicht immer öffentlich verfügbar sind.

Terroristische Bedrohung in Belgien

Belgien führt außerdem eine nationale Beobachtungsliste mit Personen, die im Rahmen seiner Strategie zur Bekämpfung von Terrorismus, Extremismus und Radikalisierung (TER), die das Sammeln von Informationen mit Prävention und Rehabilitation verbindet, als vorrangig überwacht gelten.

Nach Angaben der Koordinierungseinheit für Bedrohungsanalyse enthielt die Gemeinsame Datenbank des Landes zu Terrorismus, Extremismus und Radikalisierung im Juli 2026 529 Entitäten. Darunter 446 mit islamistischem Extremismus, 47 mit Rechtsextremismus, 12 mit Linksextremismus, sechs mit nihilistischem Extremismus und 10 mit Anti-Establishment-Extremismus.

„Für jede einbezogene Person wird eine individuelle Gefährdungsbeurteilung durchgeführt, um festzustellen, welche Art der Überwachung erforderlich ist. Dies kann aus Sicherheitsmaßnahmen, aber auch Anleitung und präventiver Unterstützung durch lokale Partner bestehen.“

OCAD sagte, Belgiens Ansatz basiere auf dem Grundsatz, dass Terrorismus und Extremismus „nicht nur eine Sicherheitsherausforderung seien, sondern auch eine soziale Komponente hätten“.

Kein einheitliches europäisches Bild

Auch andere europäische Länder verfügen über nationale Überwachungssysteme, allerdings sind die Zahlen nicht direkt vergleichbar.

Frankreich betreibt mit der FSPRT-Beobachtungsliste eines der transparentesten Systeme in Europa, auf der mehrere tausend Menschen aufgeführt sind, bei denen das Risiko einer gewalttätigen Radikalisierung im Zusammenhang mit Terrorismus gilt. Die französischen Behörden betonen, dass die Aufnahme in die Liste nicht unbedingt bedeutet, dass jemand eine Straftat begangen hat oder einer terroristischen Organisation angehört.

Außerhalb der EU verwaltet der MI5 nach Angaben des Vereinigten Königreichs rund 43.000 „interessante Themen“ bei Terrorismusermittlungen, darunter Islamismus und Rechtsextremismus.

Auch die Niederlande veröffentlichen Bedrohungsbewertungen, ohne die Zahl der überwachten Personen preiszugeben.

Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass diese Zahlen nicht kombiniert werden können, da sie verschiedene Kategorien messen, von breiteren extremistischen Umgebungen bis hin zu aktiven Geheimdienstermittlungen und Personen, die als potenzielle Angreifer gelten.

Europol: kein zentrales Register, aber der Informationsaustausch geht weiter

Das Fehlen von Statistiken auf europäischer Ebene hat die Frage aufgeworfen, ob sich das Fehlen einer gemeinsamen Datenbank auf die grenzüberschreitende Überwachung mutmaßlicher Extremisten auswirkt.

Die Agentur betonte jedoch, dass das Fehlen einer zentralen Figur nicht bedeute, dass es an Mechanismen für den Informationsaustausch fehle.

„Ermittlungen zur Terrorismusbekämpfung liegen in erster Linie in der nationalen Verantwortung“, sagte der Sprecher. „Wenn Ermittlungen Personen mit möglicherweise grenzüberschreitender Dimension betreffen, können die Mitgliedstaaten relevante operative Informationen an Europol weitergeben.“

Europol analysiert diese Informationen, hilft bei der Ermittlung von Zusammenhängen zwischen Ermittlungen und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen nationalen Behörden.

„Europols Aufgabe besteht nicht darin, ein zentrales Register der untersuchten Personen zu führen, sondern die Mitgliedstaaten in Fällen zu unterstützen, in denen internationale Zusammenarbeit erforderlich ist“, fügte der Sprecher hinzu.

Die Agentur verwies auf den EU Terrorism Situation and Trends Report (EU TE-SAT) als wichtigste öffentlich zugängliche Quelle für die Verfolgung terroristischer Bedrohungen im gesamten Block.

Das dezentrale System bedeutet, dass sich die europäischen Sicherheitsdienste auf nationale Geheimdienstdatenbanken in Kombination mit Mechanismen zum Informationsaustausch verlassen und nicht auf eine einzige EU-weite Beobachtungsliste von Personen, die als potenzielle terroristische Bedrohung gelten.

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