Sollte Deutschland auf Afrika setzen, um seine Armee aufzufüllen? Ein prüfenswerter Vorschlag und seine Risiken

Sollte Deutschland auf Afrika setzen, um seine Armee aufzufüllen? Ein prüfenswerter Vorschlag und seine Risiken

Ein Mangel ohne offensichtliche afrikanische Brücke

Der Arbeitskräftemangel in Deutschland hat eine Debatte über die Wehrpflicht neu entfacht, die seit fast einem Jahrzehnt im Berliner Verteidigungsapparat stillschweigend tobt: Sollte die Bundeswehr über ihre eigenen Bürger hinausblicken, um ihre Reihen zu besetzen? Bisher wurde dieses Gespräch jedoch fast ausschließlich innerhalb Europas geführt. Nach dem geltenden Wehrdienstgesetz können nur deutsche Staatsbürger als Berufssoldaten dienen, und Nichtstaatsangehörige können nur in seltenen, befristeten und genau definierten Rollen und nicht als Berufssoldaten ehrenamtlich dienen. Frühere Vorschläge zur Erweiterung der Gruppe stammen aus dem Jahr 2018.

Die Gespräche unter Generalinspekteur Eberhard Zorn und der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen konzentrierten sich speziell auf bereits in Deutschland lebende Polen, Italiener und Rumänen, nicht auf Rekrutierungskampagnen in Afrika oder anderswo außerhalb der Europäischen Union.

Warum die Idee trotzdem immer wieder aufkommt Die Logik hinter der Ausweitung des Rekrutierungspools ist nicht schwer zu verstehen. Forscher der Konrad-Adenauer-Stiftung haben festgestellt, dass die Öffnung militärischer Laufbahnen für Ausländer das verfügbare Personal der Bundeswehr erheblich erweitern könnte. Selbst wenn man den Pool nur auf EU-Bürger beschränkt, kämen nach Schätzungen immer noch Hunderttausende anspruchsberechtigte junge Erwachsene hinzu.

Analysten des German Marshall Fund gehen noch einen Schritt weiter und argumentieren, dass die Rekrutierung von Einwanderern, die bereits in Deutschland leben, mit der umfassenderen Integrationsstrategie des Landes in Einklang stehen könnte und Wege zur Staatsbürgerschaft im Austausch für Dienstleistungen bietet. Es gibt jedoch keine Argumentationslinie, die sich öffentlich auf aktive Rekrutierungskampagnen auf afrikanischem Boden ausgeweitet hat, und es gibt auch keine strukturellen Gründe dafür, dass Afrika speziell aus dieser Debatte herausgehalten wurde.

Rechtliche und politische Hürden Jeder Versuch, direkt in Afrika zu rekrutieren, würde eine Neufassung des Soldatengesetzes, des Gesetzes zur Regelung des Status von Soldaten, erfordern, eine Reform, die selbst ihre Befürworter als eine Reform bezeichnen, die sorgfältiger und bewusster Überlegung bedarf und nicht einer schnellen gesetzgeberischen Lösung bedarf. Politisch ist die Idee bereits umstritten, wenn sie auf EU-Mitbürger beschränkt wird: Polnische Beamte haben sich zuvor dagegen ausgesprochen, dass Deutschland seine eigenen jungen Männer, die für den höher bezahlten Militärdienst in Frage kommen, abzieht, und deutsche Gesetzgeber selbst haben davor gewarnt, dass die Rekrutierung von Ausländern mit dem Versprechen der Staatsbürgerschaft die Bundeswehr in etwas verwandeln könnte, das einer Söldnertruppe ähnelt.

Die Ausweitung desselben Angebots auf afrikanische Rekruten, von denen die meisten ohne EU-Wohnsitz, ohne Deutschkenntnisse oder ohne bestehende Verbindungen zur deutschen Gesellschaft ankommen würden, würde diese Einwände vervielfachen und völlig neue Fragen zu Überprüfung, Integration und langfristiger Loyalität aufwerfen, die Berlin selbst für seine EU-Nachbarn noch nicht beantworten musste.

Was es für Afrika bedeuten würde Für afrikanische Staaten hat der Vorschlag zwei Seiten und keine Seite sollte verworfen werden. Befürworter könnten auf einen Präzedenzfall verweisen: Sicherheitspartnerschaften, Ausbildungsaustausche und sogar Fremdenlegionen anderswo in Europa haben in der Vergangenheit jungen Afrikanern Einkommen, Fähigkeiten und eventuelle Wege zur Niederlassung geboten, während sie den Gastgeberarmeen Zugang zu disziplinierten und motivierten Rekruten verschafften.

Kritiker würden entgegnen, dass formelle Rekrutierungsmaßnahmen Gefahr laufen, zu einem weiteren Kanal für die Abwanderung von Fachkräften zu werden und fitte und fähige junge Männer und Frauen von den nationalen Militärs und Sicherheitsdiensten abzuziehen, die bereits durch ISWAP, JNIM und andere Bedrohungen in der Sahelzone und im Tschadseebecken geschwächt sind – genau die Institutionen, deren weitere Schwächung sich der Kontinent am wenigsten leisten kann. Eine deutsche Rekrutierungspipeline nach Afrika, so gut gemeint sie auch sein mag, bräuchte starke Schutzmaßnahmen gegen genau dieses Ergebnis, und derzeit gibt es keinen solchen Rahmen.

Eine Debatte, die es wert ist, sorgfältig erwogen zu werden. Deutschlands Arbeitskräftelücke ist real und die Möglichkeiten, sie ohne Neueinstellungen zu schließen, werden immer geringer. Ob Afrika Teil dieser Lösung wird, ist letztlich eine Entscheidung der deutschen Politik und, ebenso wichtig, der afrikanischen Regierungen, die entscheiden, ob sie ein solches Abkommen begrüßen oder sich ihm widersetzen. Klar ist, dass es sich hierbei vorerst um einen Vorschlag und nicht um eine Politik handelt, und jede ernsthafte Version davon müsste ehrlich damit umgehen, was Afrika gewinnen und was es verlieren wird.

Mustapha Bature Sallama. Medizinischer/wissenschaftlicher Kommunikator, Privatdetektiv, Kriminalpolizei und Geheimdienstanalyse.

Internationales Konfliktmanagement und Friedenskonsolidierung.USIP

Finabel: „Deutsche Streitkräfte wollen ausländische Staatsbürger aus EU-Ländern rekrutieren.“ https://finabel.org/german-forces-intend-to-recruit-foreign-citizenship-from-eu-countries/

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