Aktualisiert am Dienstag, 14. Juli 2026 um 16:12 Uhr UTC

BERLIN (Reuters) – Die deutsche Regierung wird am Mittwoch ein neues Maßnahmenpaket zum Bürokratieabbau verabschieden. Ziel ist es, Unternehmen und Bürgern jährlich 600 Millionen Euro (700 Millionen US-Dollar) einzusparen, während Europas größte Volkswirtschaft versucht, wieder wettbewerbsfähig zu werden.
Digitalminister Karsten Wildberger sagte am Dienstag, dass das Paket aus mehr als zehn Maßnahmen die gesamte jährliche Hilfeleistung ab November 2025 auf 10,4 Milliarden Euro bringen werde.
Die Koalitionsregierung aus Konservativen und Sozialdemokraten hat den Bürokratieabbau nach Jahren schwachen Wachstums zu einem wichtigen Pfeiler ihrer Wirtschaftsagenda gemacht und verspricht, die Kosten der Unternehmensbürokratie um 25 % oder rund 16 Milliarden Euro zu senken.
Zu den geplanten Maßnahmen gehören der Ersatz einiger persönlicher Termine bei Arbeitsagenturen durch Videoanrufe, die Digitalisierung von Gesundheitsabläufen und die Befreiung von Elektrofahrzeugen von der Umweltplakettenpflicht.
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht dringenden Handlungsbedarf: 45 % der Unternehmen nennen in einer aktuellen Umfrage die Bürokratie als größte Herausforderung.
DIHK-Chefin Helena Melnikov fordert eine radikale Reduzierung der Berichts- und Dokumentationspflichten. Sie argumentiert, dass Ministerien begründen müssen, warum Vorschriften erforderlich sind, und nicht Unternehmen, die darlegen müssen, warum sie abgeschafft werden sollten.
Wildberger sagte, die Regierung bereite auch umfassendere Reformen vor, darunter strengere Fristen für die Behörden, wobei einige Anträge automatisch genehmigt würden, wenn innerhalb von vier Monaten keine Entscheidung getroffen werde.
(Berichterstattung von Christian Kraemer, Text von Friederike Heine; Redaktion von Sharon Singleton)