Der deutsche Dirigent Milko Kersten kam diese Woche mit zwei Zielen nach Lemberg. Eine davon ist die Durchführung eines Meisterkurses für junge ukrainische Dirigenten. Die andere – und vielleicht wichtigste – besteht darin, den Grundstein für eine langfristige Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden und der Nationalen Musikakademie Mykola Lysenko in Lemberg zu legen.
Die Initiative, die inmitten der groß angelegten russischen Invasion in der Ukraine ins Leben gerufen wurde, zielt darauf ab, den akademischen Austausch auszuweiten, die institutionelle Zusammenarbeit zu stärken und die nächste Generation ukrainischer Musiker durch internationale Zusammenarbeit zu unterstützen.
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Aufbau einer langfristigen Partnerschaft
Am 17. Juli wird Kersten einen Dirigenten-Meisterkurs für fünf Studenten der Nationalen Musikakademie in Lemberg leiten, der sich auf Werke von Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms konzentriert.
Der Kurs wird auf freiwilliger Basis als Geste der Solidarität mit der Ukraine angeboten.
Der Besuch folgt auf Kerstens erste Reise in die Ukraine im Februar, als er einen humanitären Konvoi nach Brody und Lemberg begleitete. Während des Besuchs besuchte er die Brody Music School und die Lviv National Academy of Music, wo er Professor Zinaida Ostafiichuk traf. Ihre Diskussionen führten zu Plänen für den Sommermeisterkurs und einer umfassenderen Vision der institutionellen Zusammenarbeit zwischen den beiden Konservatorien.
Als Mitglied des Akademischen Senats der Hochschule für Musik Dresden hofft Kersten, dass sich die Initiative zu einer dauerhaften Partnerschaft entwickelt, die akademischen Austausch, gemeinsame Bildungsprojekte und engere Verbindungen zwischen deutschen und ukrainischen Musikinstitutionen umfasst.
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Warum die Ukraine wichtig ist
Obwohl er in der damaligen DDR aufwuchs, begann Kersten, den Reichtum der ukrainischen Kultur erst nach 2014 zu entdecken.
„Erst seit 2014 ist mir klar geworden, was für einen großen intellektuellen Reichtum die ukrainische Kultur darstellt, und ich bin begierig darauf, mehr darüber zu erfahren“, sagte er der Kyiv Post.
Er sagt, dass seine Motivation über die Musik hinausgeht.
„Ich möchte meine Erfahrungen mit jungen Musikern teilen und sie ermutigen, ihrem Engagement für eine demokratische und humanistische europäische Ukraine standzuhalten.“
„Musiker sind eine große Familie“
Kersten erinnert sich, dass sein erster Besuch in der Ukraine einen tiefen Eindruck bei ihm hinterlassen hat.
„Wir Musiker sind eine große Familie. Seit Jahrhunderten kennen wir keine Grenzen und empfinden kulturelle Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung.“
Gleichzeitig sei es unmöglich gewesen, die Realität des Krieges zu ignorieren, sagt er.
„Bei meinem ersten Besuch habe ich den Krieg in der Ukraine in jedem Moment und an jedem Ort gespürt. Die zahlreichen Kriegsgräber in den Städten und Gemeinden haben mich tief berührt.“
Was ihn jedoch noch mehr beeindruckte, war die Widerstandskraft der Ukrainer.
„Ich habe Menschen kennengelernt, die ihren Alltag mit außergewöhnlicher Würde und Solidarität weiterführen. Die sprichwörtliche ukrainische Gastfreundschaft war überwältigend.“
Zurück in Dresden teilte Kersten diese Erfahrungen mit seinen Studierenden.
„Ich habe versucht, ihnen beizubringen, dass Frieden und Freiheit große Privilegien sind, für die wir in Deutschland dankbar sein sollten. Das allein ist Motivation genug, die Ukraine weiterhin zu unterstützen.“
Ein Leben lang der Musik gewidmet
Seit 1996 ist Kersten der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden angegliedert, wo er als Musikalischer Leiter der Opernklasse und Mitglied des Akademischen Senats tätig ist.
In den letzten drei Jahrzehnten leitete er bedeutende sächsische Orchester, dirigierte das Sächsische Jugendorchester auf internationalen Tourneen und unterrichtete mehr als 25 Jahre lang Dirigieren.
Seit 2019 ist er Präsident des Sächsischen Musikvereins und derzeit stellvertretender Leiter des Kultur- und Denkmalamtes Dresden. Darüber hinaus ist er Mitglied mehrerer nationaler Expertenkommissionen, darunter des Deutschen Bundesjugendorchesters und des Deutschen Bundeswettbewerbs für klassische Musik.
Musik als kulturelle Diplomatie
Für Kersten ist der Meisterkurs in Lemberg erst der Anfang.
Er hofft, dass durch die Zusammenarbeit die Beziehungen nicht nur zwischen den Musikhochschulen Dresden und Lemberg, sondern auch zwischen den Musikschulen Dresden und Brody vertieft werden und neue Möglichkeiten für Studierende und Lehrende beider Länder entstehen.
In einer Zeit, in der Russland weiterhin die kulturellen Institutionen der Ukraine ins Visier nimmt, zeigen Initiativen wie diese, dass internationale Allianzen zu einer weiteren Form der Widerstandsfähigkeit werden können: Stärkung der Bildung, Bewahrung künstlerischer Traditionen und Stärkung der Stellung der Ukraine in der gemeinsamen Kulturlandschaft Europas.