Beyond the Tracks ist ein lebendiges und zutiefst bewegendes autobiografisches Werk, das Tanz, Bewegung, Gesang und audiovisuelles Geschichtenerzählen vereint.
Im Mittelpunkt steht der Kamilaroi/Mandandanji-Mann Michael Leslie, ein Tänzer, Choreograf und Kulturschaffender, dessen Lebensgeschichte ebenso umfassend ist wie sein künstlerisches Erbe. Im Laufe von 45 rasanten Minuten entfaltet sich nicht einfach nur eine Performance, sondern eine gelebte Geschichte, interpretiert mit Großzügigkeit, Humor und unerschütterlicher Wahrheit.
Optisch vielschichtig, transportiert von Wärme.
Die Show beginnt damit, dass Leslie die Bühne betritt, dicht gefolgt von Ursula Yovich, deren Anwesenheit dem Stück sofort Wärme und Vertrautheit verleiht. Yovich erzählt und singt durchgehend, seine Stimme entführt das Publikum durch Jahrzehnte und Landschaften.
Zu Ursula Yovichs Credits zählen das Rockmusical Barbara and the Camp Dogs, der Film Top End Wedding aus dem Jahr 2019 und die Serie Top End Bub aus dem Jahr 2025. Daniel Boud
Sie begleitet Leslie nicht nur; Sie unterhält sich mit ihm, weckt Erinnerungen und schafft eine dynamische Interaktion, die sich intim und nachvollziehbar anfühlt. Ihre Beziehung gibt den Ton für eine Produktion vor, bei der es sowohl um Beziehungen (mit Familie und Gemeinschaft) als auch um individuelle Leistung geht.
Optisch ist das Werk täuschend einfach, aber vielschichtig. Das Set von Mason Browne besteht aus einer Wellblechplatte und einer leeren Wand, die zu einem lebendigen Archiv wird.
Projizierte Bilder von Familie, Gemeinschaft und entscheidenden historischen Momenten erstrecken sich über die gesamte Länge der Wand und stellen Leslies persönliche Reise in die umfassendere Geschichte der Widerstandsfähigkeit und Kreativität der Aborigines ein.
Ein einzelner Stuhl verankert den Raum, während eine eingeschworene Band mit den musikalischen Kollaborateuren Calvin Welch und Percussionist Robbie Alexander den Puls der Show antreibt. Ihr Sound ist energisch, perkussiv und manchmal rockstarartig und unterstreicht den Antrieb in Leslies Leben.

Die Show ist eine rasante Aufführung voller Wärme und Humor. Daniel Boud Kraftvolle Erinnerungen
Leslie ist in Moree aufgewachsen und beschreibt sich selbst als ein Missionarskind, das auf der falschen Seite der Gleise aufgewachsen ist. Mit neun Jahren erlebte er die Ankunft der Freedom Riders von 1965, einer Gruppe von Universitätsstudenten, die gegen die Diskriminierung der Aborigines protestierten.
Kurz darauf veränderte ein zufälliger Auftritt in einem Fernsehwerbespot den Verlauf seines Lebens.
„Beyond the Tracks“ schildert diese frühen Erfahrungen mit Klarheit und Ironie, insbesondere wenn Leslie über Moree als „rassistische Stadt“ nachdenkt und feststellt, dass „Gesetze sich ändern können, Einstellungen aber nicht.“ Diese Zeilen haben Gewicht und erinnern das Publikum daran, dass der Fortschritt oft schmerzhaft langsam ist.
Trotz der Schwere einiger Themen strahlt Leslies Auftritt Freude aus. Mittlerweile ist er fast 70 Jahre alt und bewegt sich mit der Beweglichkeit, Präzision und Freude eines Menschen, der halb so alt ist wie er.
Er gleitet, wirbelt und tummelt sich über die Bühne und verkörpert die pure Freude an der Bewegung. Ihm beim Tanzen zuzusehen ist, als würde man Zeuge eines ganzen Lebens werden, das sich in Bewegung verwandelt.

Leslie bewegt sich mit der Beweglichkeit und Präzision einer Person, die halb so alt ist wie sie. Daniel Boud Ein Titan der Künste
Die Show würdigt auch Leslies bemerkenswerte Beiträge zur darstellenden Kunst. Seit über 40 Jahren hat er die Entwicklung der indigenen Leistung in Australien maßgeblich beeinflusst.
Er war eines der Gründungsmitglieder (als Student) der Organisation für darstellende Künste NAISDA, als diese 1976 gegründet wurde.
In den 1980er Jahren erhielt er ein Churchill-Stipendium für ein Studium und eine Ausbildung am Alvin Ailey American Dance Center in New York.
Nach seiner Rückkehr war er der ursprüngliche Choreograf des Musicals Bran Nue Dae. Er half auch beim Aufbau der Black Swan Theatre Company in Westaustralien und des Aboriginal Centre for the Performing Arts (ACPA), war Mitbegründer der in Broome ansässigen Tanz- und Theaterkompanie Marrugeku und gründete die Michael Leslie Foundation for the Arts.
Seine Auswirkungen auf künstlerische Richtlinien, Ausbildungswege und kulturelle Repräsentation sind tiefgreifend.
„Beyond the Tracks“ fügt sich nahtlos in die Reihe ikonischer autobiografischer Werke wie „Box the Pony“ von Leah Purcell, „Page 8“ von David Page und „Little Black Bastard“ von Noel Tovey ein.
Während die diesjährige NAIDOC-Woche „50 Jahre tödlich“ feiert, erinnert uns diese Show daran, dass die Künstler von heute auf den Schultern von Giganten stehen und Leslie ohne Zweifel einer der tödlichsten ist.
Beyond the Tracks ist bis zum 11. Juli im Carriageworks in Melbourne zu sehen.